KLOSTER SANKT PETER BLUDENZ

Die Sanierung

 

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Archäologische Untersuchungen im Dominikanerinnenkloster

St. Peter - Baubegleitung von März bis Oktober 2006 Von Karsten

Wink, Claus-Stephan Holdermann und Christina Kaufer


Im Jahre 2006 wurden im Bereich der Gebäude des Dominikanerinnenklosters St. Peter zu Bludenz umfangreiche Umbautätigkeiten durchgeführt. Hierdurch ergab sich eine Fülle von Möglichkeiten für archäologische Untersuchungen zur Baugeschichte dieses bisher wenig untersuchten Gebäudenensembles. Die Leitung und Koordination dieser Tätigkeiten lag auf Seiten des Landeskonservatorates Vorarlberg, vertreten durch Frau HR Dr. Renate Madritsch und Herrn Mag. Georg Mack. Die archäologischen Untersuchungen vor Ort wurden von der Firma ARDIS/Innsbruck durchgeführt. Da sich alle archäologischen Eingriffe an den Rahmenbedingungen der fortschreitenden Baumaßnahmen orientierten, beeinträchtigte der baustellenbegleitende Charakter der Untersuchungen phasenweise die allumfassende Dokumentation. Hervorzuheben bleibt jedoch, dass es trotz dieses Umstandes möglich war, die archäologische Begleitung der Umbaumaßnahmen in den wesentlichen Bereichen der Bausubstanz systematisch und zeitgemäß durchzuführen. Der Bauleitung sei in diesem Zusammenhang besonders gedankt.


Abgesehen von einigen räumlich eng begrenzten Zonen außerhalb des Gebäudes, fokussierten sich die archäologischen Untersuchungen auf ausgewählte Areale des Kellers, des Erdgeschosses sowie Räumlichkeiten des ersten und zweiten Obergeschosses. Außer diesen Arbeitsschwerpunkten sind in allen von den Bautätigkeiten betroffenen Bereichen relevante baugeschichtliche Details und Zusammenhänge dokumentiert worden. Die archäologische Dokumentation orientierte sich an den jeweiligen Anforderungen der definierten archäologisch-historischen Fragestellung sowie an Vorgaben des Bauvorhabens und des stets zu kalkulierenden Zeit-Kosten-Faktors. Den konventionellen verbalen und/oder zeichnerischen Befunddokumentationen wurden die digitale Fotografie sowie geodätische Messtechniken zur Seite gestellt. Insbesondere der Einsatz von zwei Totalstationen (Tachymeter) beschleunigte den Dokumentationsprozess erheblich und gewährleistete ökonomisch die geforderte Messgenauigkeit im Subzentimeterbereich.


Eine Methode der Dokumentation baukundlicher Details in Mauerwerksbereichen war das Anlegen von Putzfenstern. Hierdurch werden nach dem Entfernen der überlagernden Verputz- und Farbschichten Details des Aufbaus der betroffenen Mauersubstanzen sichtbar und dokumentierbar. Neben den zahlreichen Putzfenstern, die intentionell im gesamten betroffenen Gebäudekomplex angelegt wurden, lieferten auch die im Zuge der Bautätigkeiten geöffnete Wandbereiche detaillierte Informationen zum Aufbau des aufgehenden Mauerwerkes.


Barocke Raumaufteilungen erfasst


Zudem ermöglichten die großflächigen Eingriffe in die Fußbodensubstanz weitere Aussagen zu baugeschichtlichen Abläufen. In Arealen des ersten und zweiten Obergeschosses konnten, nach dem Entfernen der entsprechenden Decken- und Fußbodenbereiche, die ursprünglichen barocken Raumaufteilungen mit ihren Konstruktionsdetails sowie den Elementen der ehemaligen, in moderner Zeit entfernten Aufhängung dieser Deckenkonstruktionen erfasst werden.


Die intensivsten archäologischen Untersuchungen wurden im Bereich des Erdgeschosses getätigt. Hierbei gelang es, in der heutigen Küche verschiedener Ausbauphasen von Küchenherden unterschiedlicher Zeitstellung aufzunehmen sowie Teilbereiche eines Vorgängerbaus der heutigen Klostersubstanz zu erfassen. Im heutigen Refektorium sind, nach dem Abtragen des modernen Parkettbodens sowie verschiedener, hierunter noch erhaltener älterer Fußböden und Füllschichten, Holzkohlebereiche gesichert worden, die aufgrund von dendrochronologischen Datierungen in einen Kontext mit dem urkundlich erwähnten ersten Klosterbrand des Jahres 1552 gestellt werden können. Mit den über diesen Schichten erhaltenen Strukturen sind auch Baubefunde erhalten geblieben, die in die erneute Bewohnbarmachung der abgebrannten Klostersubstanz, welche unter der Priorin Barbara Feuerstein (1576-1610) durchgeführt wurde, datieren. Somit liegen aufgrund der archäologischen Untersuchungen aus dem Bereich des heutigen Refektoriums Fundmaterialien und Baubefunde aus der Zeit vor dem ersten Klosterbrand und direkt nach diesem Ereignis vor, die systematisch gegraben und dokumentiert worden sind.


Älteste bisher erfasste Schlüsseldaten


Das Repertoire der geborgenen Funde reicht von Alltagsgegenständen wie z.B. Gebrauchskeramik und Ofenkacheln über Bücherbeschläge aus Buntmetall bis hin zu Fragmenten von Gläsern, Kinderspielzeug, Rosenkranzperlen aus verschiedenen Materialien und einer großen Anzahl datierbarer Münzen. Mit diesen Funden liegen aus dem Refektorium die ältesten bisher archäologisch erfassten Schlüsseldaten zur Klostergeschichte vor. Darüber hinaus ermöglichen die in diesem Raum erstmals erfassten baulichen Strukturen Interpretationen zu der in der Südfassade eruierten Baufuge und geben Hinweise auf die Abläufe der nach dem Brand erfolgten Um- und Anbauphasen.


Die in diesem Rahmen nur skizzierten baubegleitenden archäologischen Untersuchungen liefern eine Fülle von Informationen zur Geschichte des auch überregional bedeutenden Dominikanerinnenklosters St. Peter. Im Bereich des Erdgeschosses war es möglich, Baubefunde zu erfassen, die dem Klosterbau vor dem ersten Schadensbrand des Jahres 1552 zugeordnet werden konnten. Die in diesem Kontext geborgenen vorbarocken Sachgüter spiegeln Lebensumstände der Klosterbewohner aus einem Zeitbereich wider, aus dem bisher wenige Informationen vorlagen.


Eine archäologisch-historische Zusammenfassung der erfassten Funde und Befunde wird an andere Stelle erfolgen. Die Untersuchungen des Refektoriums werden derzeit im Rahmen einer Diplomarbeit an der Universität Innsbruck bearbeitet.

 

Ausgrabungsdetails der
ältesten Klosteranlage

Suche nach Fundstücken aus der
Fehlbodenverfüllung im Refektorium

Die archäologischen Untersuchungen lieferten viele Informationen über die Geschichte des Klosters. Zum Vorschein kamen unter anderem ein alter Schlüssel (Bild links), Gebrauchskeramik, Ofenkacheln, Bücherbeschläge, Rosenkranzperlen und Münzen (Bilder oben).