KLOSTER SANKT PETER BLUDENZ

Geschichte

 

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Die Dominikanerinnen zu St. Peter in Bludenz - Oftmals Neubeginn, unglaubliche Vorkommnisse, Höhen und Tiefen Von Diözesanarchivar Dr. Elmar Schallert


Der Dominikanerorden wurde nach Bestätigung des Papstes 1216 gegründet und erlebte einen kometenhaften Aufstieg, so dass dem Ordensgründer, dem hl. Dominikus, als Attribut ein Hund mit einer brennenden Fackel im Maul beigegeben wurde - zum Zeichen der schnellen Verbreitung der Idee und des christlichen Glaubensgutes. Dominikus wünschte nämlich Gemeinschaften von Männern und Frauen in Armut und Bescheidenheit.


Deshalb gliederte sich der neue Orden in zwei bzw. drei Gruppen. Die erste Gruppe (I. Orden) waren und sind die männlichen Mitglieder, die sich vornehmlich der Glaubensverkündigung widmen, von Stadt zu Stadt ziehen und sogar wissenschaftlich tätig sind. Deshalb wird dieser Orden auch «Predigerorden» genannt. Die zweite Gruppe (II. Orden) sind die Frauengemeinschaften, die durch Arbeit, durch Beten, durch Meditation und eine abgeschiedene Lebensweise den männlichen Zweig unterstützen. Diese Klosterfrauen leben streng eingeschlossen unter sogenannter päpstlicher Klausur. Der III. Orden schließlich besteht aus jenen Frauengemeinschaften, deren Wirken sich auch auf die Öffentlichkeit bezieht, die Schulen und Kindergärten betreuen, sich der Krankenpflege widmen und die nicht unbedingt völlig abgeschieden leben.


Das Frauenkloster in Bludenz war klar eine  Stiftung der damaligen Landesherren im heutigen Südvorarlberg, der Werdenberger. Der Stadtgründer von Bludenz, Graf Hugo I. schenkte den Augustinerinnen zu Ötenbach bei Zürich das Patronat über die bereits bestehende St. Peterskirche im Osten von Bludenz. Der Grund war, weil eine Tochter des Grafen in Ötenbach als Nonne lebte. Da alle Landesherren jedoch Interesse an Klostergründungen hatten, förderten die Werdenberger gar bald eine eigene Gründung im Raum Bludenz, denn solche Gründungen waren nicht nur Stätten des Gebetes, der vorbildlichen Lebensführung und der sozialen Tätigkeit, Klöster bildeten stets auch wirtschaftliche Mittelpunkte, sie beförderten das kulturelle Leben und zeigten sich als Stützpunkte der politischen Mächte.


Urkunde von 1286

Im Jahr 1286 schenkte ein Vetter der Werdenberger, Graf Friedrich von Montfort, Bischof zu Chur, dem frisch gebildeten Konvent die besagte Kirche zu St. Peter beim jüngst gegründeten Städtchen Bludenz. 1286 kann somit als Gründungsjahr des Frauenklosters zu St. Peter angenommen werden. In dieser Gegend existierte nämlich bereits ein landesherrlicher Hof, zu dem die Kirche gehörte, und wo der hl. Petrus als Kirchenpatron auftritt, schließt man grundsätzlich auf eine sehr alte Tradition des Gotteshauses. Man weiß zuwenig über den Gutshof und über die frühe Geschichte der Peterskirche, wahrscheinlich aber erfolgte die mittelalterliche Kolonisation im Montafon zu einem großen Teil von diesem Herrenhof aus, weil nämlich die Montafoner sich lange Jahrhunderte als "Hofjünger" bezeichneten und weil sie das Attribut des hl. Petrus, seine Schlüssel, schließlich in ihr Wappen übernahmen.


Innerhalb der Gemarkungen dieses werdenbergischen Hofes, der auch eine Gerichtsstätte umfasste, entstand dann neben der Kirche eine kleine Behausung für die Nonnen, sicherlich äußerst bescheiden, wie es der Ordensgründer Dominikus vorgeschrieben hatte. Zu einem unbekannten Zeitpunkt nämlich wechselten die frommen Frauen ihre Statuten (Ordensregel) und glichen sich der Ordensregel des hl. Dominikus (gestorben 1221) an.


Mit Sicherheit wissen wir von einem Klösterchen aus dem Jahr 1295, weil damals ein Ablassbrief ausgestellt wurde, d.h. den Besuchern des Gotteshauses und den Wohltätern für den Neubau wurde der Nachlass zeitlicher Sündenstrafen versprochen. Derartige Ablassbriefe sind stets ein Hinweis auf die Inangriffnahme eines umfangreichen Projektes, wo also Spendern und gutherzigen Leuten himmlische Vorzüge in Aussicht gestellt wurden.


Vesperale aus der Zeit vor 1700

Der Ablasshandel für den Neubau des Petersdomes zu Rom hatte denn auch letztlich die Reformation im Deutschen Reich ausgelöst. An der Spitze der klösterlichen Frauengemeinschaft stand eine Priorin. Meistens wurden elf oder zwölf weitere Frauen ihr beigegeben, vor allem auch, um das Überleben der kleinen Gemeinschaft zu sichern, denn vorderhand mussten die Nonnen sich landwirtschaftlich betätigen, um das Überleben während des Winters zu gewährleisten. Gar bald jedoch war den Nonnen jedes Verlassen des klösterlichen Areals streng untersagt, sodass also eine junge Frau, die ins Kloster eintrat, den klösterlichen Bezirk ihr ganzes Leben nie mehr verlassen konnte (diese harte Regel wurde - mit zeitweisen Ausnahmen - bis zum 2. Weltkrieg streng beachtet).


Der Wirtschaftsbetrieb Kloster St. Peter


Eine große Wiese östlich des Klosters («Paschg»), mit Sicherheit im Eigentum der werdenbergischen Stadtherren, gehörte zur Grundausstattung des Klosters, während das schöne Grundstück westlich des Klosters (heute z.T. der Bludenzer Friedhof) sich die Werdenberger noch vorbehielten und den Nonnen lediglich das Nutzungsrecht einräumten.


Nonnenalpe oberhalb Bürs

Dennoch vermehrte sich im Laufe der Jahrzehnte das Vermögen des Klösterchens an Grundstücken, Wohnobjekten und vielleicht auch an Kapitalien, denn es traten in dieses Kloster zu St. Peter etliche vornehme Frauen aus dem Walgauer und Feldkircher Landadel ein, namentlich aus dem Junkergeschlecht der Vaistli mit ihren Verwandten, den Edlen von Bürs und von Brunnenfeld, den Junkern von Triesen und jenen von St. Viner (Nüziders). Als erste bekannte Priorin wird Katharina von St. Viner im Jahr 1348 urkundlich erwähnt. Auch in späteren Jahrhunderten traten öfters gut situierte Damen ins Kloster ein, die dann meist auch die wichtigsten Positionen bekleideten, z.B. Frauen aus den Familien Imgraben (Feldkirch), Zürcher, Embser, Klöckler, Rönsberg, Gugger usw. Selbstverständlich brachten diese Frauen einen Teil ihres elterlichen Besitzes und Vermögens mit. So konnte das Kloster St. Peter allmählich Häuser in der  Stadt Bludenz und Grundstücke in den benachbarten Gemeinden sein Eigen nennen. Eine Bereicherung ganz anderer Art ereignete sich 1328, damals nämlich entführte Graf Albrecht von Werdenberg auf einem Kriegszug die Tochter Haridi eines vornehmen heidnischen Adeligen aus Litauen und übergab diese dem jungen Konvent zu St. Peter.


Das Kloster wächst


Anno 1344 scheint bereits eine Vergrößerung der Klosteranlage oder gar ein Neubau vor sich gegangen zu sein, denn wiederum wurde ein Ablassbrief zugunsten der frommen Frauen ausgestellt bzw. es wurde der alte Brief ergänzt. Und 1362 erfolgte schließlich eine Jahrtagsstiftung durch Graf Albrecht von Werdenberg, was stets mit der Widmung von Bargeld, Einkünften oder Grundstücken verbunden war. 1411 erhielt das Kloster gar einen Schutzbrief von Papst Johannes XXIII., der angeblich (nach der Richenthal-Chronik) bei seiner Reise zum Konstanzer Konzil auch in Bludenz zukehrte.


Der Rungeliner Weinberg


Im Jahre 1483 konnten die Frauen das große Gut Gasünd erwerben, zu dem damals noch Weingärten in Rungelin gehörten. Ebenso erkaufte das Kloster etliche Weingärten in Bings. In den Jahren 1517 und 1521 gelang es den frommen Frauen, den «Stachelhof» am Eingang zum Brandnertal als Maisäß zu erwerben sowie das Gebiet der heutigen Klosteralpe oder Nonnenalpe; beides spricht für eine blühende Gemeinschaft unter guter Führung. Inzwischen waren Bludenz und das Montafon längst österreichisch geworden (1416/20) und die habsburgischen Landesherren honorierten die gute Ordnung im Kloster St. Peter durch die Spende von ein paar Säcken Salz aus der Haller Saline.


Trumscheit aus St. Peter

Nun aber brach die Reformation herein und kein Stein in der römischen Kirche blieb mehr auf dem anderen. Das Städtchen Bludenz war der lutherischen Lehre sehr zugeneigt und mehrere Bürger erbrachen mit Gewalt die Pforte und forderten die Klosterfrauen auf, das Haus zu verlassen. Einige Nonnen in St. Peter waren tatsächlich ihrer strengen Klausur überdrüssig und flohen aus dem Kloster. Mitwirkender in diesem Spiel war ausgerechnet der Hausgeistliche Thomas Gass(n)er, der später als Reformator in Lindau und anderswo sich einen Namen machte. Eine der Frauen heiratete sogar schnell einen Simon Wolf und zog nach Klösterle. Mit Hilfe des Churer Bischofs und vor allem der habsburgischen Vögte in Bludenz wurde die Ordnung in Stadt und Kloster wieder hergestellt.


Brand und Pest


Nun häuften sich weitere Schicksalsschläge: 1552 entstand durch die Nachlässigkeit einer Magd ein großer Brand in St. Peter, dem die Kirche und die Klostergebäude fast zur Gänze zum Opfer fielen. Und acht Jahre später wütete die Pest grausam in Bludenz. Angeblich überlebte nur eine Laienschwester im Kloster diese Seuche.


Durch vorausschauende Bemühungen des damaligen Bludenzer Stadtschreibers, Luzius Hauser, und mit Hilfe des Churer Bischofs konnte die Oberin des Klosters Kennelbach (später Thalbach in Bregenz) zwei Dominikanerinnen nach Bludenz senden, um aus den verlassenen Ruinen einen Neuanfang zu starten. Beide erwiesen sich als äußert tüchtige Frauen, die den frommen Geist der Gemeinschaft und zugleich das wirtschaftliche Fundament wieder in Schwung brachten. Die verdienstvolle Priorin Barbara Feuerstein (gestorben 1610) gilt seither gleichsam als zweite Gründerin von St. Peter. Ihre Nachfolgerin, Apollonia Walser, erwies sich ebenfalls als umsichtige Mutter, die viele Neueintritte ins Kloster bewirken konnte und die mehrere Güter erwarb, unter anderem endlich jene große Wiese direkt westlich des Klosters, die sie teuer von Erzherzog Leopold erkaufen musste. Allerdings fiel in ihre Amtszeit der Krieg mit den Bündnern im Prättigau, wo das österreichische Militär im Kloster St. Peter durch 16 Monate hindurch übel hauste und zugleich durch hohe Steuern, durch Beschlagnahme von Vieh und andere Repressalien den Frauen arg mitgespielt wurde.


Lavabo im Refektorium, 1672

Ein weiterer Schlag geschah durch den Stadtbrand von 1638, bei dem zwei Häuser in der Stadt Bludenz den Dominikanerinnen verloren gingen. Eines war angeblich das Haus Dörflinger in der Rathausgasse, wo im ersten Stock heute noch anschauliche Fresken von der klösterlichen Vergangenheit zeugen. Es war bei allen Ordensgemeinschaften, die weit außerhalb der Stadtmauern lagen, üblich, sich innerhalb der sicheren Befestigungen eine Unterkunft zu beschaffen, wohin sich die Ordensangehörigen im Ernstfall retten konnten. 1647, beim Schwedeneinfall, mussten sich daher die Frauen auf ihr Maisäß im Brandnertal flüchten. Doch die Schweden verschonten das Kloster, hingegen die Stadt Bludenz verlangte eine horrende Kriegssteuer von den geistlichen Frauen. Bereits ein Jahr zuvor hatte die umsichtige Priorin Klara Zürcher, aus der vermögenden Bludenzer Patrizierfamilie stammend, ihr Amt als Priorin angetreten, und sie verstand es, als Mutter der Gemeinschaft und als tüchtige Finanzministerin zu wirken. Während ihrer Wirkungsperiode ereignete sich im Kloster wiederholt die Erscheinung einer Armen Seele, worüber genaue kirchliche Protokolle heute noch Aufschluss bieten.


Hilfe für Cazis


Ebenfalls im Jahr 1647 wünschte der Churer Bischof, dass das Frauenkloster zu Cazis (im Domleschg), das nach der Reformation verödet darniederlag, wieder besiedelt werde. Zu diesem Zweck geschah die Entsendung einer umtriebigen Bludenzer Schwester nach Graubünden, nämlich von Frau Johanna Gau, der es gelang, in Cazis tatsächlich eine Gemeinschaft frommer Frauen erfolgreich zu installieren.


Im Jänner 1707 brannte das Kloster St. Peter fast zur Gänze nieder, jedoch mit großer Sparsamkeit und unter Anleitung der Priorinnen und der Beichtväter sowie der Beihilfe vieler wohlwollender Bludenzer Bürger wurden die jetzigen Klostergebäude erstellt und 1730 vom Churer Bischof eingeweiht. Fünfzig Jahre später hätten die Reformen Kaiser Josefs II. beinahe das Ende der klösterlichen Gemeinschaft bewirkt, doch die Frauen waren klug genug, sich sogleich zum Schulunterricht für weibliche Jugendliche zu entschließen.


Barocktüre, 1714

Ein schreckliches Ereignis geschah im August 1796, wo der Bregenzer Bürgermeister Weber, der Oberamtsrat Franzin und der Kreishauptmann von Indermauer sich nach Bludenz geflüchtet hatten und hier im Frauenkloster von rebellischen Bauern aus Bürs und aus dem Montafon zuerst belagert und dann auf grausame Weise ermordert wurden. Ein Grabstein im Klosterfriedhof erinnert noch an diese Szenen und der frühere Gymnasialdirektor Dr. Kert versicherte stets, unter dem alten Ofen seines Amtszimmers seien Indermauers Blutspuren gewesen, die man niemals wegwischen durfte.


Die «Einsiedler-Muttergottes»


Für die frommen Frauen erfreulicher erwies sich die Flüchtung der Einsiedler Muttergottes in die Propstei St. Gerold im Großen Walsertal und dann eben nach St. Peter. Hier wurde das hochberühmte Gnadenbild öffentlich aufgestellt und von tausenden Menschen betend verehrt. Eine Zeitlang musste die Figur der Gottesmutter mit dem Kind aber im Kloster versteckt werden, und zwar in der Zelle der Priorin. Noch generationenlang sprachen die Nonnen vom «heiligen Kasten», in dem das wertvolle Objekt geborgen war. Schließlich, als die napoleonischen Truppen auch Vorarlberg erreicht hatten, flüchtete man das Gnadenbild nach Tirol und verbrachte es im Handelsgepäck eines jüdischen Kaufmannes nach Triest, um im Ernstfall den Fluchtweg über das Wasser anzutreten.


Bludenzer Kopie der Einsiedler Muttergottes

Nach nur kurzer Ruhephase ereignete sich 1809 der Aufstand der Vorarlberger gegen Bayern, was neuerdings zu turbulenten Einquartierungen und Beschlagnahmungen im Kloster führte. Zudem gebärdete sich die bayerische Regierung sehr kirchen- und klosterfeindlich und verbot beispielsweise die Neuaufnahme von Novizinnen. Die endgültige Rückkehr des Landes zu Österreich (1814) brachte ruhigere Zeiten für die Klostergemeinschaft, die sich nun mit Erfolg der schulischen Erziehung von Mädchen widmete. In der Revolutionsepoche 1848 bis 1850 wurden Räume des Klosters für ein Spital requiriert und die Nonnen mussten oft bis zu 80 verwundete oder sterbende Soldaten betreuen. Nachdem durch die turbulenten Zeiten des 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts die Klosterordnung nicht mehr aufrecht zu erhalten war, erfolgte 1867 die Einführung der strengen Klausur, wo also die Nonnen kaum mehr Kontakt zur Außenwelt haben konnten. Schlussendlich einigte sich die Klostergemeinschaft sogar auf den gänzlichen Verzicht von Fleisch, dafür aber auf das mitternächtliche Gebet in der Klosterkirche. Diese Anordnungen bewirkten eine Schwächung der Gesundheit, sodass auch die gefürchtete Tuberkulose reichlich Opfer unter den Frauen und den Novizinnen fand.


Der Erste Weltkrieg verschonte den Konvent von St. Peter keineswegs, im Gegenteil - gerade die Landwirtschaft wurde zu Zwangsablieferungen von Milch, Fleisch, Heu und Feldfrüchten vergattert, bis sogar die Nonnen hungerten. Damals bestand die klösterliche Familie aus 20 Chorfrauen, sechs Laienschwestern und sieben Novizinnen. Einige Klosterfrauen wurden zu Kriegsdiensten in diversen Lazaretten eingezogen, wo die bisher innerhalb der Klostermauern wohl behüteten Frauen fürchterliche Erfahrungen in Südtirol und in Galizien machen mussten. Doch dies alles war nur ein harmloses Vorspiel auf die kommenden Ereignisse.


Das Übel begann mit der Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg, die Staatsanleihen, die das Kloster unter Druck gezeichnet hatte, waren ihr Papier nicht mehr wert. Bauliche Veränderungen, die dringend notwendig gewesen wären, mussten unterbleiben, das Innere des Klosters befand sich noch im Zustand des 18. Jahrhunderts. Weltliches Personal konnte nicht mehr besoldet werden, die Landwirtschaft wurde verpachtet, warf aber nur mehr geringen Ertrag ab, für die Klosteralpe bestand kaum mehr Interesse. Nun mussten die Nonnen selbst in Feld, Alpe und Wald Hand anlegen, was selbstverständlich zur Lockerung der Klausur führte.


Schwestern mit Verwalterstöchtern, 1940

Bald nach dem 11. März 1938 erfolgte eine Hausdurchsuchung durch Nationalsozialisten, der noch weitere Schikanen folgten. Im Mai 1941 wurden sämtliche 37 Schwestern innerhalb weniger Stunden aus dem Haus gejagt, jede nur mit wenigen notdürftigen Sachen. Für viele Nonnen war es seit ihrer Profess der erste (zwangsweise) Schritt auf weltliches Territorium. Die gesamten Klostergebäude, alle verwendbaren Grundstücke und das wenige vorhandene Bargeld wurden beschlagnahmt. Wilde Horden stürmten das altehrwürdige Kloster und führten unsagbare Exzesse auf. Während sich die Klosterfrauen verzweifelt auf der Suche nach einer Bleibe bei Freunden, Verwandten und gutgesinnten Menschen in Bludenz und Umgebung befanden, wurde das Inventar der Klosterkirche, Altäre, Beichtstühle, Kirchenbänke, Bilder etc. zersägt, zerhackt und sinnlos verbrannt.


Die Räumlichkeiten des Klosters erfuhren eine völlige Neuaufteilung und es wurde eine Landwirtschaftsschule und später die Oberrealschule für Jungen eingerichtet. Gegen Kriegsende fanden noch 300 verwundete Soldaten in den Klostergebäuden und in Baracken notdürftige Aufnahme.


Wiederaufbau


Im Mai 1945 fanden sich Weihbischof Franz Tschann und einige Klosterfrauen ein, um das verwüstete Areal zu besichtigen. Doch gar bald kehrten die meisten Nonnen wieder zurück und halfen beim Wiederaufbau von Kirche, Kloster und Landwirtschaft. 1948 konnte die total verwüstete Klosterkirche bereits benutzt werden. Der Bregenzer Maler Fritz Krcal hatte ein sehr anspruchsvolles ikonographisches Programm fertiggestellt, das leider später entfernt wurde. Die Normalität im Tagesablauf der Schwestern griff um sich, wenn auch große Teile der Konventsgebäude für schulische Zwecke zur Verfügung standen. Erst 1961 zog das Gymnasium in das neu errichtete Schulgebäude im Unterstein. Dafür wusste die Stadtverwaltung von Bludenz die Gunst der Stunde zu nützen und eine Volksschule hier einzurichten, später kam sogar ein Kindergarten in den Klosterräumen dazu.


Kloster im Aquarell von Andreas Jehly, um 1946

Im Kloster selbst herrschte noch spartanische Armut was die Heizung, die Beleuchtung und die sanitären Anlagen betraf. Die lieblosen Installationen der Nazizeit mussten weiterhin dienen. Parallel dazu erhöhte sich der Altersdurchschnitt der Klosterfrauen und allmählich verließen fast alle betagten Schwestern diese Welt. 1985 war nun das befreundete Kloster Cazis an der Reihe, sich für die Sendung von Schwestern im 17. Jhdt. erkenntlich zu erzeigen. Diözesanbischof Dr. Wechner erreichte es, dass Cazis die Klosterfrau Sabina Zurbriggen als Priorin nach Bludenz entsandte. Ihr oblag bereits im folgenden Jahr die geglückte Organisation der 700-Jahr-Feier des Klosters St. Peter.


Im Jahre 2001 ersuchte Diözesanbischof Dr. Küng die Priorin von Cazis, Frau Christa Wettmer, nochmals um personelle Aufstockung des Bludenzer Klosters. Mutige Klosterfrauen, nämlich Sr. Brigitte, Sr. Kathrin, Sr. Magdalena und Sr. Maria, später auch Sr. Elisabeth und als neue Leiterin Sr. Marcellina, erklärten sich bereit, die schwierige Aufgabe zu übernehmen, einem veralteten Klostergebäude neuen Geist in froher Gemeinschaft einzupflanzen.



Die ausführliche Geschichte des Bludenzer Dominikanerinnenklosters hat der verdienstvolle Bludenzer Pfarrsekretär, Organist und Chorregent Anton Rohrer hervorragend aufbereitet. Sein Buch «Das Dominikanerinnenkloster St. Peter in Bludenz 1286 - 2006» kann an der Pforte um 18 Euro erworben werden.


 

Klosteransicht von Sr. Bernarda Büchele, 1854